Mit den Augen des Laien

Mit den Augen des Laien

Die Kommunikation zwischen Experten und Laien ist so lange kompliziert, wie eine Antizipation der Standpunkte nicht möglich ist. Das Einsetzen eines Vermittlers kann Abhilfe schaffen.

In hoch spezialisierten Disziplinen wie etwa der Architektur bleiben Laien, die nicht über spezifisches Fachwissen verfügen, von der Kommunikation weitgehend ausgeschlossen. Die Experten kontaktieren, allein durch die Wahl von Fachmedien als Orten der Veröffentlichung, bevorzugt wiederum Experten. Die Öffentlichkeit, die naturgemäß nicht aus Fachpublikum besteht, bleibt von der Information und Diskussion weitgehend ausgeschlossen. Die Gründe hierfür sind vielfältig – ebenso vielfältig wie die Multidisziplinarität des Architektenberufes als solchem. Er bewegt sich neben der planerischen Ebene im Bereich der Kunst, der Ökologie, der Soziologie sowie der Ökonomie. Technische Inhalte sind ein weiteres Element, das sich naturgemäß einem Laien nur schwierig begreifbar machen lässt.

Ein erheblicher Grund für die oftmals gestörte Kommunikation sind der einheitliche Wissenstand sowie die Kenntnis von Fachwörtern und -ausdrücken zwischen Experten. Dieser Umstand macht die Kommunikation zwischen Fachleuten schlichtweg einfacher als den umständlichen Weg, das eigene Wissen einem Unwissenden in dessen Sprache zu vermitteln.

Selbstverständlich besteht grundsätzlich die Möglichkeit, kommunikativ auf einen Laien einzugehen, um ihm Teilhabe zu ermöglichen. Tatsächlich ist dieses sogar auch auf der geschäftlichen Ebene, also der Kommunikation zwischen Architekten und Bauherren, sehr wichtig. Erst durch Verständnis entsteht Vertrauen in die treuhänderische Kompetenz des engagierten Freiberuflers.

Die Sichtweise des Gegenübers einnehmen

Um allerdings kommunikativ auf einen Laien eingehen zu können, muss der Experte Bescheid wissen über dessen Wissenstand und Einstellungen. Durch dieses gesammelte Vorwissen – ähnlich einer Zielgruppenanalyse – versetzt der Experte sich in die Lage, seinem Gegenüber die eigene Tätigkeit begreiflich zu machen. Er muss folglich über die Kompetenz verfügen, die Sicht des Gegenübers einnehmen zu können.

Dies ist eine Fähigkeit, über die wir im Alltag ganz selbstverständlich verfügen. So würden Erwachsene mit einem Kind im Grundschulalter nicht so sprechen wie mit einem erwachsenen Gesprächspartner, da es selbstredend nicht über denselben Wortschatz verfügen kann. Dieses natürliche Verhalten jedoch einem gleichaltrigen Gesprächspartner gegenüber umzusetzen, ist deutlich komplizierter. Im Bereich des Bauwesens ist es jedoch, allein aufgrund der Summen, die umgesetzt werden, aber ebenso wichtig.

Die Architektur ist eine Disziplin, die aufgrund ihrer Natur weitaus mehr im Licht der Öffentlichkeit steht als andere. Gebäude und Konstruktionen wie Brücken oder Ähnliches sind Teil unserer täglichen Lebenswirklichkeit. Noch ausgeprägter als im Falle eines bestimmten Gebäudes, das „zufällig“ den täglichen Arbeitsweg säumt, sind bewusst angelegte Bauten im sogenannten öffentlichen Raum. Parks, Einrichtungen der Stadt wie Schulen oder Verwaltungsgebäude sind integraler Bestandteil der Öffentlichkeit. In Anbetracht dieses eigentlich allzu deutlichen Bezuges stellt sich die Frage, warum Architektur im Vergleich zu ihrer Bedeutung für die Öffentlichkeit relativ wenig in der zugehörigen Diskussion stattfindet.

Eine Antwort auf diese Fragestellung ist, dass der Bereich der Experten-Laien-Kommunikation, in diesem Fall die Architekturkommunikation, derzeit (noch?) wenig ausgeprägt ist.




Gina Doormann

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