Gedenkpavillon am Lohsepark Hamburg  © DorisAntony

Architekturwettbewerb entschieden: Denk.mal Hannoverscher Bahnhof in der HafenCity

Der Architektenwettbewerb für das Planen des zentralen Gedenkortes zur Deportationsgeschichte in Hamburg am Lohespark in der HafenCity ist entschieden. Den ersten Preis erhält das Büro Wandel Lorch Architekten aus Frankfurt am Main. Das „Denk.mal Hannoverscher Bahnhof“ soll vor allem ein Informations- und Dokumentationszentrum beinhalten, das an das Schicksal der zwischen 1940 und 1945 am Hannoverschen Bahnhof deportieren Juden, Sinti und Roma erinnert.

Für das Erinnern an die Untaten des Zweiten Weltkriegs ist es nie zu spät. Architektur als stummer Zeitzeuge ist ein geeignetes Medium dafür. Daher hatte die HafenCity Hamburg GmbH in Kooperation mit der Kulturbehörde sowie der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen einen Architektenwettbewerb zum Thema „Deportationsgeschichte in Hamburg“ ausgelobt. Die Anforderungen an die Teilnehmer waren hoch: Das zu planende Gebäude sollte zeitlos und stark sein. Für die Nutzung war eine doppelte Funktion angedacht. Der dauerhaft angelegte, attraktive Ausstellungsort war für das Erdgeschoss vorgesehen – das zugehörige Bürogebäude sollte eine Fassade erhalten, die in Harmonie mit den Ausstellungsflächen steht.

Interessant an dieser Symbiose ist der Einklang der Erinnerung an die Schrecken der Deportation des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs und der alltäglichen Nutzung unserer Zeit. Das Leben geht weiter, doch ein Stück Erinnerung bleibt.

Gedenkpavillon am Lohsepark Hamburg © DorisAntony

Gedenkpavillon am Lohsepark Hamburg © DorisAntony

An dem Architektenwettbewerb nahmen neun Büros teil. Das Preisgericht setzte sich aus dem Vorsitzenden Prof. Volkwin Marg sowie politischen Vertretern und freien Architekten zusammen. Das Frankfurter Architekturbüro Wandel Lorch Architekten gewann den ersten Preis für den Entwurf, der zweite Preis ging an das Büro Winking Froh Architekten aus Hamburg, der dritte ging an die Hamburger Büros Renner Hainke Wirth Architekten und Kirsch Bremer Artandarchitecture. Eine Anerkennung erhielt der Architekt Max Dudler aus Berlin für seinen Entwurf.

Über die Gewinner des Wettbewerbs

Wandel Lorch Architekten ist ein renommiertes Büro für Architektur und Stadtplanung. Es wird durch Prof. Andrea Wandel und Prof. Wolfgang Lorch geführt. Zu ihren Bauten gehören die neue Dresdner Synagoge, die 2002 mit dem World Architecture Award für das beste Gebäude Europas ausgezeichnet wurde und das Jüdische Zentrum München, das den Deutschen Städtebaupreis 2008 und den Deutschen Architekturpreis 2011 erhielt sowie das unweit des Plangebiets in der HafenCity liegende 2012 fertiggestellte Ökumenische Forum. Dies wurde ebenfalls mit verschiedenen Auszeichnungen versehen.

Daten des Baus

• siebengeschossiger Neubau
• Geschossfläche von ca. 6.100 qm BGF
• Erdgeschossfläche für Ausstellungen und Veranstaltungsräume: 700 qm
• Leitung der Ausstellung: KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Der ehemalige Hannoversche Bahnhof in Hamburg

Ehemaliger Hannoverscher Bahnhof Hamburg © Wikimedia Commons

Ehemaliger Hannoverscher Bahnhof Hamburg © Wikimedia Commons

Zwischen 1940 und 1945 wurden auf 10 Deportationstransporten 7692 Juden, Roma und Sinti aus Hamburg und Norddeutschland Gettos und Vernichtungslager in Ost- und Mitteleuropa verschleppt. Seit dem Februar 2009 besteht die von Dr. Linde Apel konzipierte Ausstellung „In den Tod geschickt“ im Kunsthaus Hamburg, seit dem September 2013 in kleinerer Form im Infopavillon Hannoverscher Bahnhof am Lohsepark. Sobald das neue Gebäude mit der zugehörigen Ausstellungsfläche fertig ist, wird die Dokumentation dorthin umziehen.


Gina Doormann

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